Eine Geschichte, die an aktuelle Ereignisse erinnert (Sonntag Aktuell 28.10.2001).

Der Backnanger Gänsekrieg

Gänsemarkt und Gänsebrunnen gehen auf ein Ereignis zurück, das schon im Jahr 1607 bewiesen hat, dass Frauen das wirklich starke Geschlecht sind. In Backnang sollen damals sehr viele Gänse gehalten worden sein - als Ersatz für Ziegen oder Kühe, die sich die armen Leute nicht leisten konnten. Nicht nur als Festessen waren die Gänse geschätzt, sondern ihre Federn dienten dazu, Decken zu füllen. Die Gänsehaltung war eine vergleichsweise angenehme, wenig aufwendige und lohnende Sache. Das Futter suchte sich das Federvieh selbst, wenn es durch die Straßen und Gassen hinaus auf die Felder getrieben wurde. Besonders nach der Ernte fand das schnatternde Getier reichlich Körner auf den Feldern.

Das allerdings brachte nicht selten, nachbarschaftlichen Zwist. Die Pächter und Besitzer der Felder wollten nämlich ihr eigenes Vieh zuerst dort weiden lassen. So kam es beim Bürgermeister zu Klagen über die vielen Gänse in der Stadt, die in Gärten und auf Feldgrundstücken große Schäden anrichteten.

Bürgermeister, Gericht und Rat wollten daher das Gänsehalten ganz verbieten. Ein Verbot, das vor allem die armen Frauen getroffen hätte, die sich mit der Gänsehaltung ihr karges Dasein ein wenig erträglicher machen wollten. Eine Hand voll Frauen schrieb an den Herzog persönlich, er möge das Verbot der Gänsehaltung wieder aufheben.

Herzog Johann Friedrich schrieb daraufhin an den Magistrat. Ganz Politiker, drückte er sich in seinem Schreiben aber so schwammig aus, dass niemand so recht wusste, was er eigentlich sagen wollte. Bürgermeister und Rat beharrten auf dem Gänseverbot, die Frauen waren der Ansicht, dass der Herzog ihnen Recht gebe.

Der Bürgermeister beschimpfte das "widerspenstige und halsstarrige Weibervolk", zog die Gänse ein und ließ sogar Rädelsführerinnen vorübergehend einsperren. Es folgte ein lang anhaltender Streit zwischen ihnen und dem Bürgermeister. Genau fünf Jahre lang währte der Zwist, bis sich endlich der Herzog einschaltete, sich dieses Mal klar ausdrückte und die "Backnanger Gänseordnung" erließ, die das Halten des Federviehs in der Stadt wieder erlaubte.

Endlich kehrten wieder Ruhe und Frieden in der Stadt ein.